Wissen · BIM-Anforderungen

LOA, LOD, LOG und LOI bei BIM-Bestandsmodellen

Messgenauigkeit, geometrischer Modellumfang und benötigte Informationen sind drei verschiedene Anforderungen. Erst ihre saubere Trennung macht ein Scan-to-BIM-Modell eindeutig bestellbar.

Vier Begriffe – vier unterschiedliche Aussagen

Ein hoch detailliertes Modell kann auf ungenauen Messdaten beruhen. Umgekehrt kann eine sehr genaue Punktwolke in ein bewusst einfaches Modell überführt werden. Deshalb werden Genauigkeit, Geometrie und Informationen getrennt vereinbart.

Begriff Was wird beschrieben? Wichtige Abgrenzung
LOA
Level of Accuracy
Genauigkeitsniveau der erfassten Bestandsdaten und der daraus dargestellten Geometrie Keine Aussage darüber, wie viele Bauteile oder Attribute modelliert werden
LOD
Level of Development
Entwicklungs- und Verlässlichkeitsgrad eines Modellelements Nicht mit einer Millimetertoleranz gleichzusetzen
LOG
Level of Geometry
Umfang und Komplexität der geometrischen Darstellung Beschreibt die Geometrie, nicht die alphanumerischen Eigenschaften
LOI
Level of Information
Benötigte alphanumerische Angaben wie Bauteiltyp, Material, Kennzeichnung oder Status Mehr Attribute sind nur sinnvoll, wenn sie für einen definierten Zweck benötigt werden

LOA: Wie genau sind Messung und Darstellung?

Die LOA-Systematik des U.S. Institute of Building Documentation unterscheidet Measured Accuracy und Represented Accuracy. Damit wird einerseits betrachtet, wie genau der reale Bestand erfasst wurde, und andererseits, wie genau eine Zeichnung oder ein Modell diesen Bestand wiedergibt. Die Stufe sollte daher nicht allein aus dem Datenblatt eines Scanners abgeleitet werden.

LOA-Stufe Toleranzbereich nach USIBD Einordnung
LOA 10 über 50 bis 150 mm Grobe Bestandsdarstellung und räumliche Orientierung
LOA 20 über 15 bis 50 mm Übersichtsplanung und Bestandsmodelle mit moderaten Anforderungen
LOA 30 über 5 bis 15 mm Viele Planungs-, Koordinations- und Scan-to-BIM-Aufgaben
LOA 40 über 1 bis 5 mm Erhöhte Anforderungen an Anschlüsse, Oberflächen oder Bauteilgeometrie
LOA 50 0 bis 1 mm Spezielle hochpräzise Dokumentations- und Prüfaufgaben
Wichtig: Die USIBD-Bereiche werden mit einem Vertrauensniveau von 95 % beschrieben. Eine pauschale Angabe wie „Scan in LOA 30“ reicht für eine Ausschreibung dennoch nicht aus. Es muss festgelegt werden, für welche Bauteile, Flächen oder Merkmale die Genauigkeit gilt und wie sie geprüft wird.

LOD 100 bis LOD 500: Wie verlässlich ist das Modellelement?

Die BIMForum-Systematik verwendet LOD als Level of Development. Sie beschreibt nicht nur sichtbare Details, sondern vor allem, in welchem Umfang Projektbeteiligte auf die enthaltene Geometrie und Information vertrauen können.

LOD-Stufe Typische Bedeutung
LOD 100 Konzeptionelle oder symbolische Darstellung; noch keine belastbar messbare Bauteilgeometrie
LOD 200 Generische beziehungsweise schematische Bauteile mit ungefährer Größe, Form, Lage und Orientierung
LOD 300 Geometrisch bestimmte Bauteile; Menge, Größe, Form, Lage und Orientierung können aus dem Modell abgeleitet werden
LOD 350 Wie LOD 300, ergänzt um relevante Schnittstellen zu angrenzenden oder abhängigen Bauteilen
LOD 400 Ausarbeitung für Fertigung, Montage oder Installation; typischerweise mit herstellungsbezogenem Fachwissen
LOD 500 Darstellung eines vorhandenen beziehungsweise ausgeführten Zustands auf Grundlage von Beobachtung, Vor-Ort-Prüfung oder Interpolation; die Genauigkeit ist gesondert anzugeben
LOD 500 ist keine automatische Steigerung von LOD 400. Es kennzeichnet den verifizierten Bestands- beziehungsweise Ausführungsbezug. Auch ein LOD-500-Element benötigt eine separate Genauigkeitsangabe. Für Denkmalschutzaufgaben kann eine sehr detaillierte Geometrie erforderlich sein; daraus folgt aber nicht pauschal LOD 400.

LOG, LOI und die heutige Informationsbedarfstiefe

LOG beschreibt die benötigte geometrische Ausprägung, LOI den alphanumerischen Informationsumfang. Die aktuelle DIN EN ISO 7817-1 fasst die Bestellung zeitgemäßer als Level of Information Need zusammen. Ausgangspunkt ist der konkrete Zweck. Danach werden geometrische Informationen, alphanumerische Informationen und erforderliche Dokumente festgelegt.

  • Zweck: Welche Entscheidung oder welcher Prozess soll unterstützt werden?
  • Geometrie: Welche Bauteile, Formen, Öffnungen und Anschlüsse werden benötigt?
  • Information: Welche Attribute, Kennzeichnungen und Klassifikationen sind erforderlich?
  • Dokumentation: Welche Pläne, Prüfberichte oder ergänzenden Unterlagen gehören zur Übergabe?

Beispiel für eine eindeutige Bestellung

Nicht: „Wir benötigen ein BIM-Modell in LOD 300.“

Sondern: „Tragende Bauteile und relevante Öffnungen werden geometrisch in LOD/LOG 300 abgebildet. Für definierte Anschlussbereiche gilt eine dargestellte Genauigkeit von LOA 30. Benötigte Attribute sind Bauteiltyp, Material – soweit erkennbar – und Bestandsstatus. Nicht sichtbare Bauteile werden nicht konstruktiv ergänzt, sondern als Annahme gekennzeichnet.“

Was sollte vor der Beauftragung feststehen?

  • Spätere Nutzung des Modells und verantwortliche Fachbereiche
  • Bauteilkatalog mit unterschiedlichen Anforderungen je Elementgruppe
  • Gemessene und dargestellte Genauigkeit einschließlich Prüfverfahren
  • LOG/Geometrie, LOI/Attribute und erforderliche Dokumentation
  • Umgang mit verdeckten Bereichen, Annahmen und nicht erfassten Bauteilen
  • Zielformat, Koordinatensystem, Modellstruktur und Übergaberegeln

Passende Themen und Anwendungen

Weiterführend: Wie stark eine modellierte Fläche von der Punktwolke abweichen darf, erklären wir im Beitrag Modellierungstoleranz bei Scan to CAD und Scan to BIM.

Häufige Fragen

Ist LOA identisch mit der Scanner-Messgenauigkeit?

Nein. Die Leistungsfähigkeit des Messsystems ist nur ein Bestandteil. LOA kann sowohl die Genauigkeit der erfassten Daten als auch die Genauigkeit der daraus dargestellten Geometrie beschreiben. Registrierung, Kontrollnetz, Aufnahmebedingungen, Modellierung und Prüfung beeinflussen das Ergebnis.

Bedeutet LOD 400 automatisch eine Genauigkeit von wenigen Millimetern?

Nein. LOD und LOA beschreiben unterschiedliche Eigenschaften. LOD 400 betrifft die fertigungstaugliche Entwicklung eines Modellelements; die geometrische Genauigkeit muss separat vereinbart werden.

Ist LOD 500 detaillierter als LOD 400?

Nicht grundsätzlich. Nach BIMForum kennzeichnet LOD 500 einen bestehenden oder ausgeführten Zustand, der durch Beobachtung, Vor-Ort-Prüfung oder Interpolation bestimmt wurde. Die Genauigkeit ist zusätzlich anzugeben.

Welche Stufe ist für ein Bestandsmodell sinnvoll?

Das hängt von Nutzung und Bauteil ab. Für Layoutplanung, Anlagenanschlüsse und Denkmaldokumentation können innerhalb desselben Projekts unterschiedliche Geometrie-, Informations- und Genauigkeitsanforderungen sinnvoll sein.

Normative und fachliche Grundlagen

Die Einordnung orientiert sich an der USIBD Level of Accuracy Specification, der BIMForum LOD Specification sowie der bei DIN geführten DIN EN ISO 7817-1 zur Informationsbedarfstiefe. Projektvertragliche Anforderungen und projektspezifische Toleranzen gehen allgemeinen Beispielen vor.

Ihr BIM-Bestandsmodell

Welche Genauigkeit und Information benötigt Ihre Planung?

Wir übersetzen den Verwendungszweck in prüfbare Anforderungen an Erfassung, Geometrie und Datenstruktur.

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