Vier Begriffe – vier unterschiedliche Aussagen
Ein hoch detailliertes Modell kann auf ungenauen Messdaten beruhen. Umgekehrt kann eine sehr genaue Punktwolke in ein bewusst einfaches Modell überführt werden. Deshalb werden Genauigkeit, Geometrie und Informationen getrennt vereinbart.
| Begriff | Was wird beschrieben? | Wichtige Abgrenzung |
|---|---|---|
| LOA Level of Accuracy |
Genauigkeitsniveau der erfassten Bestandsdaten und der daraus dargestellten Geometrie | Keine Aussage darüber, wie viele Bauteile oder Attribute modelliert werden |
| LOD Level of Development |
Entwicklungs- und Verlässlichkeitsgrad eines Modellelements | Nicht mit einer Millimetertoleranz gleichzusetzen |
| LOG Level of Geometry |
Umfang und Komplexität der geometrischen Darstellung | Beschreibt die Geometrie, nicht die alphanumerischen Eigenschaften |
| LOI Level of Information |
Benötigte alphanumerische Angaben wie Bauteiltyp, Material, Kennzeichnung oder Status | Mehr Attribute sind nur sinnvoll, wenn sie für einen definierten Zweck benötigt werden |
LOA: Wie genau sind Messung und Darstellung?
Die LOA-Systematik des U.S. Institute of Building Documentation unterscheidet Measured Accuracy und Represented Accuracy. Damit wird einerseits betrachtet, wie genau der reale Bestand erfasst wurde, und andererseits, wie genau eine Zeichnung oder ein Modell diesen Bestand wiedergibt. Die Stufe sollte daher nicht allein aus dem Datenblatt eines Scanners abgeleitet werden.
| LOA-Stufe | Toleranzbereich nach USIBD | Einordnung |
|---|---|---|
| LOA 10 | über 50 bis 150 mm | Grobe Bestandsdarstellung und räumliche Orientierung |
| LOA 20 | über 15 bis 50 mm | Übersichtsplanung und Bestandsmodelle mit moderaten Anforderungen |
| LOA 30 | über 5 bis 15 mm | Viele Planungs-, Koordinations- und Scan-to-BIM-Aufgaben |
| LOA 40 | über 1 bis 5 mm | Erhöhte Anforderungen an Anschlüsse, Oberflächen oder Bauteilgeometrie |
| LOA 50 | 0 bis 1 mm | Spezielle hochpräzise Dokumentations- und Prüfaufgaben |
LOD 100 bis LOD 500: Wie verlässlich ist das Modellelement?
Die BIMForum-Systematik verwendet LOD als Level of Development. Sie beschreibt nicht nur sichtbare Details, sondern vor allem, in welchem Umfang Projektbeteiligte auf die enthaltene Geometrie und Information vertrauen können.
| LOD-Stufe | Typische Bedeutung |
|---|---|
| LOD 100 | Konzeptionelle oder symbolische Darstellung; noch keine belastbar messbare Bauteilgeometrie |
| LOD 200 | Generische beziehungsweise schematische Bauteile mit ungefährer Größe, Form, Lage und Orientierung |
| LOD 300 | Geometrisch bestimmte Bauteile; Menge, Größe, Form, Lage und Orientierung können aus dem Modell abgeleitet werden |
| LOD 350 | Wie LOD 300, ergänzt um relevante Schnittstellen zu angrenzenden oder abhängigen Bauteilen |
| LOD 400 | Ausarbeitung für Fertigung, Montage oder Installation; typischerweise mit herstellungsbezogenem Fachwissen |
| LOD 500 | Darstellung eines vorhandenen beziehungsweise ausgeführten Zustands auf Grundlage von Beobachtung, Vor-Ort-Prüfung oder Interpolation; die Genauigkeit ist gesondert anzugeben |
LOG, LOI und die heutige Informationsbedarfstiefe
LOG beschreibt die benötigte geometrische Ausprägung, LOI den alphanumerischen Informationsumfang. Die aktuelle DIN EN ISO 7817-1 fasst die Bestellung zeitgemäßer als Level of Information Need zusammen. Ausgangspunkt ist der konkrete Zweck. Danach werden geometrische Informationen, alphanumerische Informationen und erforderliche Dokumente festgelegt.
- Zweck: Welche Entscheidung oder welcher Prozess soll unterstützt werden?
- Geometrie: Welche Bauteile, Formen, Öffnungen und Anschlüsse werden benötigt?
- Information: Welche Attribute, Kennzeichnungen und Klassifikationen sind erforderlich?
- Dokumentation: Welche Pläne, Prüfberichte oder ergänzenden Unterlagen gehören zur Übergabe?
Beispiel für eine eindeutige Bestellung
Nicht: „Wir benötigen ein BIM-Modell in LOD 300.“
Sondern: „Tragende Bauteile und relevante Öffnungen werden geometrisch in LOD/LOG 300 abgebildet. Für definierte Anschlussbereiche gilt eine dargestellte Genauigkeit von LOA 30. Benötigte Attribute sind Bauteiltyp, Material – soweit erkennbar – und Bestandsstatus. Nicht sichtbare Bauteile werden nicht konstruktiv ergänzt, sondern als Annahme gekennzeichnet.“
Was sollte vor der Beauftragung feststehen?
- Spätere Nutzung des Modells und verantwortliche Fachbereiche
- Bauteilkatalog mit unterschiedlichen Anforderungen je Elementgruppe
- Gemessene und dargestellte Genauigkeit einschließlich Prüfverfahren
- LOG/Geometrie, LOI/Attribute und erforderliche Dokumentation
- Umgang mit verdeckten Bereichen, Annahmen und nicht erfassten Bauteilen
- Zielformat, Koordinatensystem, Modellstruktur und Übergaberegeln
Passende Themen und Anwendungen
Häufige Fragen
Ist LOA identisch mit der Scanner-Messgenauigkeit?
Nein. Die Leistungsfähigkeit des Messsystems ist nur ein Bestandteil. LOA kann sowohl die Genauigkeit der erfassten Daten als auch die Genauigkeit der daraus dargestellten Geometrie beschreiben. Registrierung, Kontrollnetz, Aufnahmebedingungen, Modellierung und Prüfung beeinflussen das Ergebnis.
Bedeutet LOD 400 automatisch eine Genauigkeit von wenigen Millimetern?
Nein. LOD und LOA beschreiben unterschiedliche Eigenschaften. LOD 400 betrifft die fertigungstaugliche Entwicklung eines Modellelements; die geometrische Genauigkeit muss separat vereinbart werden.
Ist LOD 500 detaillierter als LOD 400?
Nicht grundsätzlich. Nach BIMForum kennzeichnet LOD 500 einen bestehenden oder ausgeführten Zustand, der durch Beobachtung, Vor-Ort-Prüfung oder Interpolation bestimmt wurde. Die Genauigkeit ist zusätzlich anzugeben.
Welche Stufe ist für ein Bestandsmodell sinnvoll?
Das hängt von Nutzung und Bauteil ab. Für Layoutplanung, Anlagenanschlüsse und Denkmaldokumentation können innerhalb desselben Projekts unterschiedliche Geometrie-, Informations- und Genauigkeitsanforderungen sinnvoll sein.
Normative und fachliche Grundlagen
Die Einordnung orientiert sich an der USIBD Level of Accuracy Specification, der BIMForum LOD Specification sowie der bei DIN geführten DIN EN ISO 7817-1 zur Informationsbedarfstiefe. Projektvertragliche Anforderungen und projektspezifische Toleranzen gehen allgemeinen Beispielen vor.
